Der Begriff des selbstgesteuerten Lernens ist schon seit geraumer Zeit nicht einheitlich definiert und wird mit unterschiedlichen Begriffen in Verbindung gebracht.

Wir verstehen unter selbstgesteuertem Lernen eine Form des Lernens, bei der Schüler*innen in Abhängigkeit von den Anforderungen der aktuellen Lernsituation/ des Lernarrangements selbstbestimmt eine oder mehrere Strategien einsetzen, um den Lernprozess kognitiv, volitional und methodisch erfolgreich zu bewältigen.

Dies setzt eine Reihe von überfachlichen Kompetenzen voraus, die von den Lehrkräften systematisch und mit entsprechenden Absprachen entwickelt werden müssen.

Lernende sollen also befähigt werden, sich realistische Ziele zu setzen, ihren Lernprozess zu planen, zu reflektieren, Informationen aus unterschiedlichen Medien zu entnehmen und zu verarbeiten, Motivationstiefs zu überwinden und Hilfsmittel und Medien gezielt einzusetzen.

So bestätigt auch die KMK im Dezember 2021:

"Lernen ist ein aktiver, selbstgesteuerter und auch sozialer Prozess, bei dem Beziehungen zu Lehrenden und weiteren Lernenden entscheidend sind. Lernen findet eingebettet in einen kulturellen und situativen Hintergrund in der jeweiligen Lebenswirklichkeit des Individuums statt. Dieses schließt die Welt des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen und den Kontext der Arbeits- und Geschäftsprozesse der Arbeitswelt und damit junge Erwachsene in der beruflichen Bildung ein. Forschungsergebnisse zeigen, dass ein automatisches und souveränes Handeln mit Medien nicht vorausgesetzt werden kann und demzufolge Bildungsangebote den souveränen Umgang stützen müssen. Für Kinder und Jugendliche ist es unabdingbar frühzeitig zu lernen, adäquat und reflektiert mit digitalen Medien umzugehen, wie es der Kompetenzrahmen der KMK-Strategie aufzeigt und auf den die folgenden Ausführungen aufbauen. Zentral für das Lernen der Schülerinnen und Schüler ist die kognitive Aktivierung, Strukturierung sowie konstruktive und adaptive Unterstützung. Durch die Digitalität werden neue Lernszenarien ermöglicht, welche auf der Grundlage dieser Aspekte guten Unterrichts zu entwickeln sind."

vgl. Lehren und Lernen in der digitalen Welt Ergänzung zur Strategie der Kultusministerkonferenz „Bildung in der digitalen Welt“ (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 09.12.2021)

 

Welche Anforderungen stellt die Förderung des selbstgesteuerten Lernens an die Lehrkräfte?

Das selbstgesteuerte Lernen kann – wie dargelegt wurde – als eine komplexe Gesamthandlung betrachtet werden, bei der Lernende unterschiedliche Lernstrategien gleichzeitig oder nacheinander auf mehreren Ebenen anwenden: kognitive Strategien beim Lesen und Schreiben, Strategien zur Selbstmotivation (z.B. realistische Zielsetzung) sowie ressourcenbezogene Strategien wie Zeitplanung, kooperatives & kollaboratives Lernen, effizienten Einsatz von Medien sowie anderen Hilfsmitteln. Damit diese Strategien von Schülerinnen und Schülern nachhaltig erworben werden können, bedarf es einer gezielten didaktisch-methodischen Unterstützung. Bewährt haben sich hier Herangehensweisen, die den Einsatz von Lernstrategien explizit thematisieren und die (lehrer-)gelenkte mit selbstgesteuerten Aktivitäten miteinander kombinieren. All dies stellt Lehrkräfte vor eine Reihe von Anforderungen:

  1. Lehrkräfte müssen erstens die auf verschiedenen Ebenen angesiedelten Lernstrategien kennen und deren Nutzen und Wirkungsweise – am besten nach vorhergehender eigener Erprobung – einschätzen können.
  2. Lehrkräfte müssen zweitens über ein breites didaktisch-methodisches Repertoire verfügen, das ihnen hilft, den Erwerb von Lernstrategien anzuregen und zu unterstützen. Flexibel einsetzbar sind hier bspw. Lerntagebücher oder Schülerentwicklungs-Portfolios Sie können sich auf unterschiedliche Strategien beziehen und sie können von einem Schüler alleine oder von mehreren Schüler*innen gemeinsam geführt werden. 
  3. Lehrkräfte müssen drittens die individuellen Entwicklungen der Schüler*innen verfolgen und Phasen gelenkter und selbstgesteuerter Aktivitäten adressatengerecht miteinander verknüpfen. In Phasen gelenkter Aktivitäten fungieren die Lehrkräfte als „Modell“, an dem Schüler*innen den erfolgreichen Einsatz von Strategien beobachten können. Im Weiteren nehmen sie ihre Anleitungs- und Steuerungsfunktion in dem Maße zurück, wie die Lernenden in der Lage sind, selbstgesteuert zu arbeiten.
  4. Die Lehrkräfte müssen viertens aus einem weiten Spektrum an Lernangeboten solche auswählen, die für die Förderung selbstgesteuerten Lernens geeignet sind. Das Spektrum reicht hier von regulären Unterrichtsfächern über Arbeitstunden bis hin zu offenen Lernangeboten (z.B. Freiarbeit, Schülerfirmen, Lernbüros, Lernateliers oder study halls). Besonders interessant für die Förderung selbstgesteuerten Lernens sind offene Lernangebote. Hier können die Schüler*innen viele Themen alleine oder zusammen mit einem Partner oder einer Gruppe erkunden. Sie lernen hierdurch nicht nur kognitiv hinzu, sondern erfahren sich selbst als aktive und strategische Lerner*innen und erwerben so ein positives Konzept der eigenen Fähigkeiten sowie intrinsische Lernmotivation.

Nach der isolierten, aus dem Zusammenhang gelösten Beschäftigung mit bestimmten Lernstrategien und Maßnahmen ihrer Förderung wird eine zentrale Aufgabe von Lehrkräften künftig darin bestehen, gemeinsam solche Lernarrangements ausfindig zu machen und zu gestalten, die sich für den Erwerb von Lernstrategien eignen.

Hier schließt sich die Frage an, wie Lehrkräfte bei der Bewältigung dieser Aufgaben unterstützt werden können.

Die Entwicklung der pädagogischen Praxis an einer Schule braucht Schulentwicklung!

Die im letzten Abschnitt dargelegten Maßnahmen legen nahe, dass Schul- und Unterrichtsentwicklungsprozesse angewiesen sind auf externe Unterstützung und Begleitung, insbesondere aber auf gemeinsame Reflexion und Problemlösung im Kollegium. Es besteht heute weitgehend Konsens darin, dass die Professionalisierung der Lehrkräfte und damit einhergehend die Sicherung und kontinuierliche Entwicklung der pädagogischen Praxis nur gelingt, wenn gleichzeitig Wert gelegt wird auf die Entwicklung kooperativer und kommunikativer Strukturen an einer Schule.

Durch die Arbeit in Klassen- Jahrgangs- oder Bildungsgangteams werden die Lehrkräfte darin unterstützt, Veränderungsprozesse im Unterricht in Gang zu setzen, sie auch in schwierigen Phasen weiterzuführen, ihre Erfahrungen zu reflektieren und bei auftretenden Problemen gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Eine solche Zusammenarbeit muss durch flankierende Maßnahmen auf institutioneller Ebene begleitet werden. Dazu zählen letztlich ein konsensfähiges Schulprogramm, die Organisation von Kommunikations- und Reflexionszeiten, schulweite Lehrerfortbildung, Koordination von auf Entwicklung gerichteten Aktivitäten und deren sorgfältige Evaluation, Bedingungen also, deren Bedeutung für erfolgreiche Entwicklungsprozesse in der Schulentwicklungsforschung hoch eingeschätzt wird.

Solchermaßen unterstützt und begleitet haben Formen selbstgesteuerten Lernens gute Chancen, Teil der Lernkultur einer Schule zu werden.

Wir führen Sie in die entsprechenden Konzepte und Instrumente systematisch ein und begleiten Sie professionell auf der Basis jahrelanger erfolgreicher Erfahrungen  - Rufen Sie uns an!

 

 

Monika Baumgartner

Monika Baumgartner

Institut für Unterrichtsentwicklung
und Evaluation

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